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Internet zum Anfassen, schöner Scheitern inklusive. Mein erstes Mal BarCamp im Herbst 2008.

Vor genau 5 Jahren erlebte ich mein erstes großes BarCamp in Berlin. Zeit für einen Rückblick – und da kommt die Blogparade von Stefan Evertz zu „Dein erstes BarCamp“ genau zum rechten Zeitpunkt.

Am 18./19. Oktober 2008 fand also das BarCamp Berlin3 in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom in Berlin-Mitte statt. Über 600 Teilnehmer fanden sich dort ein – und ich mitten drin. Ankommen, einchecken, Kaffee kriegen, alles umsonst, einen Bekannten wieder getroffen, durch den Schwups mit drei neuen Menschen in Kontakt – so ging das in einem Flow. Ich hatte im Monat davor schon mal ein kleines erstes Camp besucht in Hamburg, das ArtCamp. Dort waren ca. 30 Leute und alles war sehr cosy und muckelig. Das hier aber, wow, gigantisch.

Getreu dem BarCamp-Motto: „Erstes Camp = erste eigene Session“ faste ich mir so gleich am 1. Tag ein Herz und bereitete meine eigene Session vor. Ich wollte einen Vortrag halten über mein Spezialgebiet ‚Szenarioentwicklung und -anwendung für weitreichende strategische Entscheidungsprozesse‘. Emsig bastelte ich PowerPoint-Slides zusammen, übersetzte gar noch schnell ins Englische, da viele internationale Teilnehmer vor Ort waren. Zu Beginn war meine Session ganz gut besucht mit etwa 30-40 Zuhörern. Mit vollem Elan trug ich vor, zeigte ein Slide nach dem anderen. Um dann nach gut 10min feststellen zu müssen, dass sich die Reihen vor mir deutlich lichteten … Abstimmung mit den Füßen, die campübliche unmittelbare Rückmeldung der eigenen Relevanz. Deutlich angespannt brachte ich schließlich meinen Vortrag zu Ende in der vorgesehen Sessionzeit von 45min.

Es waren noch ein paar Interessenten im Raum geblieben – und ich deutlich frustriert über die recht zurückhaltende Resonanz. Doch dann nahm mich einer der alten BarCamp-Recken Stefan P. Roos zur Seite, klopft mir anerkennend auf die Schultern und sagte (sinngemäß): „Gut gemacht Junge, gleich eine eigene Session gegeben auf Deinem ersten großen Camp. So macht man das, weiter so. Nur, beim nächsten Mal kürzt Du Deinen Vortrag auf 10min und nutzt den Rest der Zeit, um die Anwesenden mitreden zu lassen. Du bist sicher nicht der einzige hier, der was zu dem Thema zu sagen hat.“ Das saß, denn ich war tatsächlich blind davon ausgegangen, dass ich der Experte im Raum auf dem Gebiet sei.

Nun hatte ich meine Lektion gelernt. Was aber noch viel besser war, ich konnte am 2. Tag des Camps mein neues Wissen anwenden. Ich gab eine Session, die ganz auf Interaktion angelegt war. Als begeisterter Improvisationtheaterspieler zeigte ich meinen Teilnehmern, wie wir gemeinsam mit nur sieben Sätzen eine einfache Geschichte erzählen mit Held, Helfer, Problem und Lösung. Alle hatten 45min lang viel Spaß – und ich diesmal deutlich mehr und positive Rückmeldungen als bei meinem ersten Versuch am Tag zuvor.

Seitdem kann ich nicht mehr auch „normale“ Konferenzen gehen, wo ich nur „Fußvolk“ bin. Und wo sonst gibt es in der erfolgsorientierten Businesswelt wirkliche Freiräume, um schöner zu scheitern? Ich kenne kaum welche. Vor allem weiß ich als aus der Analogzeit stammender „Digital Immigrant“ nun, wie sich das Internet anfühlt. Besucht ein BarCamp, dann erfahrt Ihr es auch.


PS: Die allerbeste BarCamp-Erfahrung war für mich jedoch: Twitter verstanden zu haben. Meine Hommage to Twitter und was das BarCamp Berlin3 damit zu tun hatte, lest Ihr auf meinem Blog unter: http://www.zukunftslotse.de/blog.

Moritz Avenarius ist systemischer Strategieberater für Entwicklungsprozesse in die digitale Zukunft. Er hilft Unternehmen Ihre Innovationsdynamik zu steigern.

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